Medien und ihre Verantwortung

Als ich heute morgen Spiegel Online öffnete sprang mir eine Überschrift ins Auge, die den Zusammenhang von Mediennutzung bei Kindern und verminderten kognitiven Fähigkeiten postulierte. Widmete man sich dem Pressetext unter der Überschrift, wurde recht schnell klar, dass die Forscher eine Korrelation zwischen Bildschirmzeiten über 2 Stunden und verminderten kognitiven Fähigkeiten entdeckt haben. Dies verwundert nicht weiter. Dennoch ärgerte mich die verkürzte Darstellung der Studie mit einer reißerischen Überschrift. Erneut wurden Medien bzw. deren Nutzung als die Ursache des Übels dargestellt. Doch es sind selten die Medien allein…

Hierzu ein paar Punkte:

Bildschirmzeit ist nicht gleich Bildschirmzeit. Welche Inhalte konsumiert werden ist fundamental wichtig. Denken Sie an die Unterschiede zwischen zwei Stunden „Berlin Tag und Nacht“ einer Arte Doku, einem Shooterspiel oder dem Bau komplexer 3D Welten in einem Game. Dass sich die Wirkung auf den Menschen unterscheidet, liegt auf der Hand.

Für die Entwicklung der Kinder wichtig, ist nicht die Mediennutzungzeit, sondern die Beziehung und Ansprache bzw. Förderung der Kinder durch die Eltern. Nehmen Sie den betroffenen Familien die Medien weg, würden die Kinder nicht automatisch besser werden. Die Vorstellung, dass solche Kinder dann draußen spielen oder mit pädagogisch wertvollen Holzklötzen im Wohnzimmer Türme bauen, ist unrealistisch. Sie würden die gewonnene Zeit nicht mit Tätigkeiten verbringen, die ihre kognitiven Fähigkeiten steigern.

Interessanter fände ich es, den Medienkonsum der Eltern und die Entwicklung der Kinder zu untersuchen. Hier lassen sich sicherlich ebenso Korrelationen finden. Wenn Familien nicht miteinander interagieren führt dies natürlich zu Problemen. Doch Schuld sind nicht die Medien!

Fazit: Mediennutzung kann ein Symptom sein, dass man genauer hinschauen muss, was in einer Familie passiert. Sie ist aber nicht per se ab einem bestimmten Zeitkontingent schädlich!

Reißerische Überschriften helfen also nicht, das Problem zu beseitigen und den Kindern zu helfen, sie bewirken eher das Gegenteil. Es gibt Stress in der Familie, weil die Kinder weniger Medien nutzen sollen.

Wichtig wären Hinweise darauf, wie man einen Alltag mit Kindern so gestalten kann, dass Mediennutzung ganz normal dazu gehört, kein Übergewicht hat und eine Beschäftigung mit den Kindern stattfindet.

Spiegel Online hat heute im Laufe des Tages auch gemerkt, dass die Überschrift nicht passend war. Aktuell findet man eine differenzierte Version des Artikels. Das nächste mal bitte gleich so!

Bildschirmfoto 2018-09-27 um 13.08.42
Hinweis von Spiegel Online

Hier gehts zum Artikel

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/nachrichten-am-morgen-die-news-in-echtzeit-a-1229153.html

 

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So hier noch zwei spannende Links wenn ich schon dabei bin:

Die Maus und ihr Beitrag zur Digitalisierung

https://www.wdrmaus.de/extras/mausthemen/digitalisierung/index.php5

Die Vorträge der DIGRA Konferenz ( Computerspieleforschung) sind online verfügbar

http://www.digra.org/digital-library/forums/digra-18/

2 Gedanken zu “Medien und ihre Verantwortung

  1. Hi Angelika, du hast mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich erlebe bei SchülerInnen mit übermäßigem Bildschirmkonsum immer wieder, dass sich deren Eltern schlicht nicht genug um die Kinder kümmern und keine Alternativen anbieten. Aktuell erlebe ich „Fortnite-Sitzenbleiber“, deren Eltern monatelang nicht mitbekommen haben, was die Kids tun.
    Auf der anderen Seite haben wir Kids mit relativ hohen Bildschirmzeiten, die gut in der Schule sind, in der IT-Administration der Schule helfen, programmieren können, etc. und daneben auch noch andere Hobbies haben. Die Qualität der Bildschirmnutzung ist auf jeden Fall relevanter als die Quantität. Wenn man sich allerdings die JIM-Studie ansieht, liegt der Anteil der Infomationssuche an der Onlinenutzung seit Jahren bei nur 10-12 %, der Löwenanteil geht bei den meisten für Bespaßung drauf. Und Fortnite hat den pädagogisch wertvolleren Spielen v.a. in der Unterstufe und Grundschule ganz klar den Boden abgegraben, es ist unter den Jungs fast das einzige Thema geworden.

    LG
    Günter

    • Hallo Günter

      das sehe ich eben genauso.
      Wobei ich auch den Wert der Bespaßung noch betonen möchte. Natürlich muss das alles im Rahmen bleiben, aber auch Jugendliche haben das Recht auf eine Auszeit – auf einfach mal chillen. Ob da Fortnite das geeignete Mittel ist, ist wieder eine andere Frage – vor allem in der Grundschule würde ich das verneinen- aber wir sollten den Aspekt, dass es Jugendliche sind, die auch ein Recht auf Erholung haben, nicht außer acht lassen.

      Liebe Grüße
      Angelika

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