Offtopic: Kurzes Entlastungsstatement für Eltern

Heute morgen landete in meinem Posteingang die Buchankündigung für ein neues Kinderbuch einer Münchner Pädagogikexpertin. Im Werbetext heißt es, dass hier erklärt wird, „wie ruhige Nächte für die ganze Familie gelingen“. 

Im Text zum Buch klingt das Ganze dann ein wenig anders und durchaus sympathisch. Trotzdem hat mich die Werbung zum Nachdenken veranlasst. Denn allzu oft, wird in Elternratgebern suggeriert, dass man nur alles „richtig“ machen müsste, dann klappt das mit dem Schlafen, dem Lernen oder dem Töpfchen schon. Richtig ist dann natürlich das, was in dem jeweiligen Ratgeber steht. Doch so einfach ist das nicht. Das hinter dieser Annahme stehende Menschenbild, bzw. Kinderbild hinkt ganz gewaltig. Kinder sind keine Maschinen die bei Input a einen Output b produzieren. Ich vergleiche Kinder lieber mit einer Blackbox. Wir kennen den Ausgangszustand der Maschine nicht, wenn wir Input a geben. Wir wissen nicht, ist die Maschine gerade an oder aus geschaltet, welche Parameter aktiv sind, welche nicht oder wer schon wieder an ihr rumgefummelt und ein Kabel gezogen hat. 

Das heißt, Input a kann bei unterschiedlichen Kindern zu Output a-z führen und auch beim selben Kind zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu einem völlig unberechenbaren Ergebnis führen. Was wir dank pädagogischer Erkenntnisse können, ist die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass wir den gewünschten Output (nennen wir ihn mal b) bekommen. Sicher ist das keinesfalls 😉 Wenn also trotz aller Ratgeber, Geduld und Pädagogik das ein oder andere nicht gelingt, hängt das auch damit zusammen, dass die kleine Blackbox vor uns nicht nur von uns programmiert wird. Da hat die Natur mit all ihren Prozessen und die Umwelt (die auch aus anderen Menschen besteht) ein gewaltiges Wörtchen mitzureden. 

Ein Kommentar zu „Offtopic: Kurzes Entlastungsstatement für Eltern“

  1. Michele Schmidt

    Zumal ja in den vergangenen Jahren auch die Einstellung, Kinder müssten „bespaßt“ werden, zunehmend überall in Umsetzung befindet.
    Was für Erwachsene sollen sich auf dieser Basis entwickeln? Es gibt sicherlich genug Menschenkinder, die klare Anleitung und Orientierung im Laufe ihrer Entwicklung brauchen. Zudem sollte man sich fragen, welche Diskrepanz wir erzeugen, wenn Kinder im permanenten Spaßmodus gehalten werden um dann abrupt mit dem gegenteiligen Anspruch – erwachsen sein, vernünftig sein, zielgerichtet und konzentriert handeln, Ernst des Lebens usw. – konfrontiert zu werden. Natürlich erwächst daraus eher Unmut und Frust, als Ehrgeiz und Motivation. Wer will da noch erwachsen werden oder sein? Lohnt sich ja gar nicht. Dann lieber im Hotel Mama verweilen, bis man selbst vom Bezug des ALG II in die Rente übergehen kann. Eine weichgespülte romantische Pädagogik unterstützt Kinder nicht, es begrenzt sie, da es sie nicht befähigt, sich zu belastbaren und umsichtigen Menschen zu entfalten. Eine Pauschallösung hilft auch nicht und widerspricht dem aktuellen Credo von der bedingungslosen Individualität. Wir sind einzigartig, aber wir brauchen trotzdem eine sichere Struktur und Perspektive. Elternschaft ist dauerhafte Freude, so verspricht es wohl jedes Buch, das mit Aussichten wie den ruhigen Nächten wirbt. Dass Existenz aber ambivalent ist und sein darf, damit wir uns im Spannungsfeld der Möglichkeiten bestmöglich entwickeln, gerät dabei zu oft aus dem Blick.

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